Und erlöse uns von den Blöden

Dieses Buch von Monika Gruber, wer sie nicht kennt, eine deutsche Kabarettistin mit äußerst spitzer Zunge, ist uneingeschränkt empfehlenswert. Für jeden, fast für jeden, der grünen, spaßbefreiten Gesellschaft würde ich es zu Lesen nicht empfehlen, sie würden es nicht verstehen, aber im Bücherregal würde es trotzdem gut aussehen.

Zitat:

»›Und erlöse uns von den Blöden‹ ist angesichts kurzsichtiger Politikerentscheidungen, bekloppter Corona-Leugner und hysterischer Panikmacher einfach nur wohltuend für die gestresste Seele vernünftig denkender Menschen, die sich angesichts unlogischer Schließungen von Kinos und Gaststätten, mit Aluhütten demonstrierender Schwachköpfe und mit Maske auf einsamen Waldwegen trabender Menschen wie im Irrenhaus fühlen.«

Corona veränderte alles – fast

Warum manche Verhaltensweisen selbst in der Krise so bescheuert blieben, wie sie waren

Monika Gruber / Andreas Hock

Leseprobe:

Es ist schon erstaunlich, wie kalt einen so ein maximal 160 Nanometer kleines Virus doch erwischen kann. Bis vor wenigen Monaten konnte man sich noch wunderbar über alltägliche Ärgernisse aufregen, die einem während der Corona-Krise plötzlich wie Verheißungen aus dem Paradies vorkamen. Musste man zuvor beispielsweise länger als fünf Minuten an der Wursttheke warten, hatte man gedanklich bereits den Beschwerdebrief an den Marktleiter verfasst, warum an einem sonnigen Samstagmittag nicht gefälligst mehr Personal für den Verkauf des Grillguts an die geneigte Kundschaft eingeteilt worden sei. Danach jedoch war man schon froh, wenn man wegen der Abstandsregeln nicht eine halbe Stunde vor dem Geschäft anstehen musste, bis man endlich eintreten durfte. Der nicht unserer Sprache mächtige Paketbote, der den Versandkarton unabhängig vom Inhalt einfach über das Gartentor warf, war trotz desselben Vorgehens nun ein fleißiger Dienstleister, dessen systemrelevante Tätigkeit nicht hoch genug wertgeschätzt werden konnte. Und jener den ganzen Tag am Wohnzimmerfenster rauchende Rentner, der jeden im Haus, der seinen Müll nicht trennte, bei der Verwaltung anschwärzte, tat sich als besonders gewissenhafter Mitbürger hervor, weil er jedes Mal die Polizei verständigte, wenn er mehr als zwei Personen gleichzeitig spazieren gehen sah. Die Sichtweise auf manche Dinge veränderte sich grundlegend.
Man könnte nun meinen, diese nie gekannte Ausnahmesituation habe auch eine gute Seite gehabt, weil wir alle enger zusammenrückten, je weiter wir beim Einkauf oder im Bus auseinanderstehen mussten. Im besten Falle hätte diese epochale Krise uns durchaus einander näherbringen und die allgemeine Skrupel- und Rücksichtslosigkeit, die Unvernunft und die himmelschreiende Blödheit für lange Zeit in den Hintergrund drängen können. Ja, es hätte eine bessere Gesellschaft entstehen können, in der wir wieder mehr aufeinander aufpassten und unser Ego mindestens die benötigten eineinhalb Meter hinter uns stellten. Aber trotz aller drolligen Hashtags, abendlichen Klavierkonzerte privater Symphonieorchester auf den Balkonen studentischer Wohngemeinschaften, virtuellen Stammtischrunden mit einsamen Freunden und gut gemeinten Einkaufshilfen für bettlägerige Senioren muss man leider festhalten, dass viele Menschen vor allem den geistigen Lockdown vollzogen haben. Und wir während und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nach diesem ganzen Corona-Wahnsinn genauso doof sind wie zuvor.
Nehmen wir nur mal die Sache mit dem Klopapier. Ausgerechnet in China wurde dieses praktische Hilfsmittel im 6. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt, indem ein Geschichtsschreiber namens Yan Zithui seinen Landsleuten empfahl, nach dem Geschäft den Allerwertesten keinesfalls mit Papier zu säubern, auf dem sich möglicherweise Zitate großer Gelehrter befanden. Die Chinesen, die knapp 1500 Jahre später leider eher weniger Wert auf besonders hygienische Umgangsformen zu legen schienen und zu allem Übel gerne mal ein halb gares Schuppentiergulasch oder ein pikantes Fledermausgröstl verzehrten, mussten das Zeug also damals schon gekannt haben. Und das zu einer Zeit, während der man sich hierzulande den Po noch mit Pestwurzblättern abwischte, weshalb diese Pflanze im alpenländischen Raum auch heute noch Arschwurz genannt wird.
Trotzdem setzte sich auch in Mitteleuropa nach und nach (spätestens nach der Erfindung des Wasserklosetts im 19. Jahrhundert) die Nutzung von eigens dafür hergestellten Papierstreifen als rektale Reinigungshilfe durch. Natürlich gab es immer wieder entbehrungsreiche Phasen. Mein Großvater, von dem in diesem Buch noch die Rede sein wird, erzählte jedenfalls oft davon, wie unsere Oma nach dem Krieg ein winziges Stück Speck mehrmals in heißem Wasser auskochte, um den Kindern so etwas Ähnliches wie eine Suppe bieten zu können. Der Mangel an Klopapier dürfte damals das geringste Problem gewesen sein: Man nahm sich ein paar alte Zeitungsseiten, die man halbierte und am stillen Örtchen auf einem Holzstab aufspießte. Und nachdem es wieder aufwärtsging und sich auch Oma und Opa eines Tages „Hakle Krepp“ leisten konnten, hörte man nie wieder etwas von einer Toilettenpapierknappheit………………………………..

 

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